Chronik des Wendischen Museums Cottbus Drucken E-Mail

Chronik des Wendischen Museums Cottbus

 
 

Im Jahre 1908 wurde im Cottbuser Heimatmuseum erstmals eine Wendische Bauernstube eingerichtet. Sie bestand bis in die NS-Zeit. Die wendische Sammlung wurde 1945 ausgelagert und ging weitestgehend verloren.
1976 wurde vom Staatssekretär im DDR-Kulturministerium Kurt Löffler die Absicht bekanntgegeben, daß Cottbus wieder eine ständige sorbische museale Ausstellung bekomme. Am 12.11.1976 wurde beim Rat des Bezirkes Cottbus Abteilung Kultur dazu eine Arbeitsgruppe gebildet.

1980 wurde das Museum für niedersorbisches Schrifttum im Schloß Branitz eröffnet, zunächst als ständige Exposition, dann als Wanderausstellung. Die Sammlung wurde aber kurze Zeit danach magaziniert. Sie stellte den Grundbestand für eine neue ständige Ausstellung dar, die nach 1985 konzipiert wurde. Beabsichtigt war, eine neue sorbische museale Ausstellung zu schaffen, die thematisch stark erweitert werden sollte und ein eigenes Domizil erhalten sollte. Neben sorbischem Schrifttum waren auch volkskundliche Themen sowie bildende Kunst, Musik usw. zu bearbeiten und dazu entsprechende Sammlungen anzulegen. Eine sorbische Buch- und Zeitschriftensammlung sollte die Recherche-
möglichkeiten nicht nur für die
Museumsmitarbeiter, sondern auch für Journalisten, Lehrer, Heimatforscher, Schüler und Studenten usw. deutlich verbessern.

Am 3. Juni 1994 wurden schließlich 18 Jahre Bemühens sorbischer und deutscher Bürger um eine neue ständige sorbische museale Ausstellung in der Stadt Cottbus von Erfolg gekrönt: Das Wendische Museum / Serbski muzej in der Mühlenstraße 12 wurde der Öffentlichkeit übergeben.
Seit der Eröffnung präsentierte das Wendische Museum fast vierzig Sonderausstellungen zu geschichtlichen, volkskundlichen, künstlerischen Themen. Dies zeugt von großer Themenvielfalt und natürlich vom Fleiß der Museumsmitarbeiter.
Sämtliche Ausstellungen werden zweisprachig deutsch-sorbisch (wendisch) gestaltet. Besonders beliebt bei den Besuchern waren und sind Expositionen zur sorbischen Volkskunst, so z.B. Ostereier-, Trachten- und Stickerei-Ausstellungen.
Das Wendische Museum besitzt die größte niedersorbische Trachtensammlung. Ein bis vor kurzem noch typisches Bild in der Lausitz - täglich die wendische Tracht tragende Frauen erleben zu können - ist nun leider selbst in den wendischen Dörfern im Verschwinden begriffen. Aber das Interesse, zu besonderen Anlässen die Tracht zu tragen, nimmt gegenwärtig wieder zu.
So wird die Funktion des Museums als Bewahrer kulturgeschichtlich einzigartigen Wissens und Kulturguts umso deutlicher. Die ständige Ausstellung vermittelt Einblicke in die Vor- u. Frühgeschichte der Wenden in Deutschland und behandelt die Themengruppen sorbische/wendische Volkskunst, bildende Kunst, Sprache, Schrifttum, Literatur, Musik, Volkstrachten und Brauchtum, Wendische Orden und Münzen sowie die Postgeschichte der Sorben. Eine besondere Abteilung innerhalb der Buchsammlung stellen einige sorbischen Handschriften dar, die z.T. noch der wissenschaftlichen Auswertung bedürfen. Überraschenderweise wurden selbst im zurückliegenden Jahrzehnt noch mehrere sorbische handschriftliche Bücher aus der älteren Zeit sorbischen Schrifttums aufgefunden. Das Museum besitzt einen sehr reizvollen Innnenhof. Zu besonderen Anlässen werden Kammerkonzerte, Theaterspiel, musikalisch-literarische Nachmittage, Schausticken, Künstlergespräche, Lesungen und Kinderveranstaltungen mit Literatur-, Bastel- und Singestunden organisiert.

Aktualisiert ( Donnerstag, 07. August 2008 um 09:26 )