WENDISCHES MUSEUM
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In der numismatischen Sammlung des Wendischen Museums befinden sich mehrere Münzen, die der untergegangenen wendischen Kultur der Lutizen (auch Weleten genannt) zugehören. Den pekuniären Abschluss bildet ein Silbertaler von 1633 mit dem Bildnis des aus lutizisch-slawischem Adel stammenden Herzog Bogislaw XIV. von Pommern (1580 – 1637), welcher kinderlos starb.
Die Lutizen siedelten im Ostseeraum zwischen Obodriten als westliche und Kaschuben als östliche Nachbarn und hatten Sorben und Polen als ihre südlichen Nachbarn. Sie hatten sich im Zuge des Großen Slawenaufstandes von 983 ihre politische Unabhängigkeit für zwei Jahrhunderte zurückerobert. Ihr Lutizenbund wehrte am längsten von allen Westslawen das Christentum ab. Erst mit der Eroberung Rügens 1168 fiel ihre letzte Bastion. Ihr größtes Heiligtum, der sagenhafte Tempel von Rethra, den die Chronisten Adam von Bremen, Widukind von Corvey und Thietmar von Merseburg anschaulich beschreiben, wie auch die Lage der damals größten wendischen Stadt auf der untergegangenen Ostseeinsel Vineta, konnten bis heute nicht sicher lokalisiert werden.
Die Ansiedelung fremdsprachiger Siedler nach der Eroberung und Christianisierung des Wendenlandes, die Privilegierung des Deutschen, die fortbestehende Unterdrückung und Benachteiligung des Wendischen trotz Annahme des Christentums und der daraus resultierende ständige Assimilationsdruck bewirkten, dass seit dem 14. und 15. Jahrhundert im gesamten elbslawischen Raum der Gebrauch der slawischen Sprachen stark zurückging und viele wendische Idiome schließlich ausstarben. Der pommersche Historiograph Thomas Kantzow (1505 – 1542) berichtet so z.B. zum Jahr 1405 vom Tode der letzten wendisch sprechenden Frau auf Rügen: “Und umb diese Zeit soll eine alte Frau, die Gulitzin geheissen, auf dem Lande zu Rugen gestorben sein, welche die letzte da im Lande gewest, die wendisch hat gekonnt. Denn obwohl das Land lengst bereit gar teutsch gewest, sind dennoch bisher noch etliche Wenden geplieben, die sobald nicht haben undergehen konnen. Itz aber von dieser zeit an ist Pommern und Rugen gar teutsch und sechsisch, und ist kein Wend mehr darinne, ausgenommen an einem Orte in Hinterpommern nach Preußen und Polen werts, da noch etliche Wenden und Kassuben sind; aber doch konnen sie gemeinlich teutsch darneben.” Reste der wendischen Sprache der Lutizen hatten sich noch bis kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges im östlichsten Teil Pommerns erhalten. Ihre Sprachträger, die Slowinzen oder Leba-Kaschuben, gaben indes mit der Übersiedelung nach Deutschland ihre wendische Sprache und Nationalität endgültig auf.
 

Taler 1633 mit dem Bildnis
des Herzogs Bogislaw XIV.
(Regentschaft 1620-1637)